7. Sonntag nach Trinitatis – das letzte Hemd

Das letzte Stück Brot im Haus. Für dich und dein Kind. Nachschub wird es nicht geben. Du gehst noch einmal hinaus, schöpfst den letzten Tropfen Wasser aus der Zisterne. Mit diesem Leben hast du abgeschlossen.

Ein Mensch tritt dir entgegen. Sein Mantel ist zerrissen und seine Sandalen staubig. Er bittet dich um einen Schluck Wasser und ein Stück Brot.

Da bricht es aus dir heraus: „Beim Leben deines Gottes: Wir haben einen letzten Kanten Brot im Haus. Den wollten wir gerade essen, mein Kind und ich, und dann sterben.“

Warum sagst du ihm das? Was geht es ihn an. Warum schickst du ihn nicht einfach weiter? „Sorry! Ich hab selber nichts. Probier es bei Anderen, die mehr Glück hatten im Leben.“

Der Mensch lässt sich von deinem Verzweiflungsausbruch nicht abschrecken.

„Hab keine Angst, mir dein letztes Stück Brot zu geben, denn so spricht der Gott des Lebens: Das Brot wird nie ausgehen, bis Gott seinen Segen wieder strömen lässt.“

Verrückt, dieser Mensch, doch was hast du zu verlieren? Du bringst ihm das letzte Stück Brot, den letzten Schluck Wasser. Und es ist immer noch etwas da. Auch am nächsten Tag und am übernächsten. Gemeinsam überlebt ihr die dürren Jahre.

Das letzte Stück Brot, der letzte getrocknete Fisch. Der letzte Schluck Wasser, das letzte Hemd. Wo Menschen im Vertrauen auf den Gott des Lebens ihre letzten Ressourcen miteinander teilen, kommt eine Dynamik in Gang, die das Leben weiterrettet – einen Tag und noch einen Tag, bis Gott selbst auch die Fülle fließen lässt.

1. Könige 17, 10-16; Johannes 6, 1-14

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