Ostermontag: Bewegung und Begegnung

Ende, aus und vorbei. Nicht einmal der Leichnam war ihnen geblieben. Kein Ort der Trauer und der Erinnerung. Nichts hielt sie mehr am Ort des Geschehens und in der Gemeinschaft seiner Follower. Einer Gemeinschaft, die sowieso zerfallen würde. Es gab ja nichts mehr, worum sie sich noch sammeln konnten. Kein Ort, keine Schriften, keine Institutionen. Die hoffnungsvolle Erneuerungsbewegung war grandios gescheitert, gerade als sie richtig in Bewegung gekommen war. Zu schnell war dem Hosianna das Kreuzige ihn! gefolgt.

So gehen sie denn. Kehren den zerschlagenen Illusionen den Rücken. Vielleicht ganz gut so, dass sie eher früher als später ent-täuscht worden waren. Wer weiß, in welche absurden Zukunftsfantasien sie sich sonst noch verrannt hätten. Das leere Grab spricht eine eindeutige Sprache: Sie waren einer Täuschung aufgesessen, die sich gewaschen hatte! Mit jedem Schritt verblasst die Illusion einer Welt in wahrer Freiheit und Liebe ein wenig mehr. Wie hatten sie nur so naiv sein können!

Und dann dieser fremde Wanderer, der sich ihnen anschließt. Auf welchem Planeten hat er nur die letzten Tage verbracht, dass er von dem ganzen Drama nichts mitbekommen hat? Doch dann fängt er an zu erzählen. Die heiligen Schriften zu zitieren und zu erklären, wie sich die Geschehnisse der letzten Tage auch verstehen ließen: als Erfüllung uralter Versprechen Gottes an sein Volk, ja an die ganze Welt. Versprechen von Heil und Heilung, von Befreiung, Vergebung und Liebe. Sie laden ihn ein, die Nacht in ihrer Hütte zu verbringen, doch er nimmt das Brot, bricht es und – verschwindet.

Da begreifen sie: Das leere Grab ist nicht das letzte Wort in dieser Geschichte. Sie geht weiter, ja sie beginnt jetzt überhaupt erst so richtig. Und so brechen sie wieder auf. Zurück zum Ort des Geschehens. Denn das leere Grab ist nicht genug, um die unfassbare Wahrheit zu begreifen, dass das Leben diesmal wirklich über den Tod gesiegt hat. Es braucht die Begegnung mit dem Auferstandenen, damit aus dem Zweifel Hoffnung, aus der Unmöglichkeit Wirklichkeit wird.

Das müssen sie der Gemeinschaft erzählen, damit sie zusammenbleibt, damit sie sein Vermächtnis weiterträgt: saubere Füße und ein Gedächtnismahl. Liebe, Treue und Solidarität miteinander und mit allen Abgehängten. Freiheit von den übermächtigen Zwängen einer Welt, die ihr Bestehen aus eigener Kraft erzwingen will und dabei nur immer wieder die Schwachen unter die Räder wirft. Doch das ist eine andere Geschichte.

Markus 16,1-8

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