Kantate

Zum zweiten Mal muss der Sonntag Kantate – Singt! Singt dem Herrn ein neues Lied! – unter Pandemiebedingungen stattfinden. Singen untersagt. Was bisher stärkend war, Gemeinschaft schuf, Energie gab und Lebensfreude, ist gefährlich geworden.

Ich selbst vermisse es nicht so sehr. Singen ist nicht meine Glaubenssprache, es ist kein tiefes Bedürfnis für mich. Trotzdem fehlt es mir, denn im gemeinsamen Singen von Glaubensliedern finde auch ich Rückversicherung im gemeinsamen Erinnern an Gottes Treue, wie es auch viele Psalmen tun. Und ich stimme gerne ein in die Lieder, die Gott für seine wunderbaren Taten loben – für seine schöpferische Versorgung, seine Loyalität für die Schwachen, sein Eintreten für Gerechtigkeit und seinen selbstlosen Einsatz für unsere Freiheit von zerstörerischen Lebensstrukturen.

Aber auch, wenn wir Lob Gottes und gegenseitige Stärkung gerade nur vorsichtig und gedämpft, hinter Masken und Glasscheiben, mit Abstand und nur halbem Atem tun können: Die Schöpfung preist ihn weiterhin, die Vögel am Morgen, die Strahlen der untergehenden Sonne, der funkelnde Sternenhimmel – und sogar die Steine. Das Lob für Gott hört nicht auf. Und irgendwann können auch wir wieder lauthals und unverschämt frei einstimmen, wo es stimmig ist.

Bis dahin will ich mich vom Vogelsingen an Gottes Lebenskraft und von den Steinen an seine Treue erinnern lassen. Und bis dahin können wir die Vögel und die Steine anfeuern, damit für uns weitersingen: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“

Psalm 98, Lukas 19,37-40

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