15. Sonntag nach Trinitatis – von Sorgenbällen und gestillten Seelen

Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

Wenn das mal so einfach wäre. Einfach die Sorgen wegwerfen, nicht nur in den Müllschlucker, sondern sogar in die Hände von jemandem, der sich ihrer annimmt. Doch statt sie dem zuzuwerfen, der am besten dafür sorgen kann, dass ich versorgt bin, jongliere ich sie, die Sorgenbälle, wie ein Jongleur, der versucht, möglichst viele von ihnen gleichzeitig in der Luft zu halten. Kein Wunder, wenn mir das immer wieder zu viel wird. Warum fällt es mir so schwer, die Sorgen dem zuzuwerfen, der versprochen hat, für mich zu sorgen? Warum fange ich die Bälle ständig wieder auf, anstatt sie Gott zuzuwerfen und darauf zu vertrauen, dass er mit ihnen tut, was gut ist?

Petrus leitet seinen Rat, alle Sorgen auf Gott zu werfen, mit einer anderen Aufforderung ein: „Macht euch niedrig unter der starken Hand Gottes, damit er euch zur angemessenen Zeit erhöht – indem ihr alle eure Sorgen auf ihn werft, denn er sorgt für euch!“

Demut – das Wissen um und das Anerkennen meiner Grenzen vor Gott – und das Loslassen der Sorgen gehören also zusammen. Das erinnert mich an den kurzen Psalm 131, in dem die Dichterin beschreibt, wie sie ihre von Sorgen aufgescheuchte Seele zur Ruhe bringt. Sie hat begriffen, dass ihr Erkennen und ihre Gestaltungsmöglichkeiten Grenzen haben und dass Frieden darin liegt, wenn sie sich innerhalb dieser Grenzen bescheidet. Die eigenen Grenzen – die persönlichen wie die allgemein menschlichen – anzuerkennen hat nichts damit zu tun, sich selbst kleinzumachen, damit andere auf meine Kosten groß werden können. Niemand käme auf den Gedanken, auf Kosten eines kleinen Kindes groß werden zu wollen, das vertrauensvoll an der Brust der Mutter schläft, die für es sorgt. Genauso kann ein reifer Mensch vertrauensvoll seine Sorgenbälle in Gottes Hände werfen. Er ist der perfekte Jongleur – er hat den vollkommenen Überblick und seine starken Hände werden nicht müde, die Bälle so zu spielen, dass das Leben erblüht.

1. Petrus 5,7; Psalm 131

Eine längere Meditation über Psalm 131 findest du übrigens in meinem kleinen Band „Aufstiegslieder – 15 mutmachende Impulse für den Weg zurück ins Leben“: https://theografica.com/schreiben/ Dort findets du auch links, über die du es bestellen kannst.

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